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Leben in Uruguay: Was ich nach über 4 Jahren aus Deutschland vermisse

Leben in Uruguay: Was ich nach über 4 Jahren aus Deutschland vermisse

Ich lebe mittlerweile seit über vier Jahren in Uruguay. Ich bin nach wie vor sehr glücklich mit meiner Entscheidung und möchte mein heutiges Leben nicht gegen mein früheres in Deutschland eintauschen.

Trotzdem wäre es unehrlich zu behaupten, dass ich überhaupt nichts aus Deutschland vermisse.

Interessanterweise sind es nicht unbedingt die Dinge, von denen ich vor meiner Auswanderung gedacht hätte, dass sie mir fehlen würden. Und manches wurde mir auch erst nach mehreren Jahren bewusst.

Dabei gibt es für mich einen großen Unterschied zwischen etwas vermissen und zurückwollen.

Genau deshalb möchte ich einmal ehrlich erzählen, was mir nach mehr als vier Jahren Leben in Uruguay aus Deutschland fehlt.

 

 

 

Familie und Freunde – das kann Uruguay nicht ersetzen

Der mit Abstand wichtigste Punkt hat eigentlich gar nichts mit Uruguay zu tun.

Es sind Familie und Freunde.

Wer mehrere Tausend Kilometer weit weg auswandert, entscheidet sich automatisch auch für Distanz. Natürlich gibt es heute WhatsApp und Videotelefonie. Ich kann meine Familie sehen, mit ihr sprechen und relativ einfach am Alltag teilnehmen.

Aber ein Videocall ist eben nicht dasselbe, wie gemeinsam an einem Tisch zu sitzen.

Besonders deutlich wird die Entfernung bei wichtigen Ereignissen. Eine Hochzeit, ein neues Familienmitglied, eine Erkrankung oder ein Todesfall – plötzlich kann man nicht einfach ins Auto steigen und ein paar Stunden später dort sein.

Von Uruguay nach Deutschland bedeutet das einen Langstreckenflug. Dazu kommen Zeit, Organisation und nicht zuletzt die Kosten.

Dadurch nimmt man zwangsläufig anders am Leben seiner Familie und Freunde teil.

Auch Freundschaften verändern sich. Manche halten die Entfernung erstaunlich gut aus. Andere dünnen mit der Zeit aus. Das gehört zu einer Auswanderung dazu, wird aber meiner Meinung nach häufig unterschätzt.

Interessanterweise empfinde ich diesen Punkt heute stärker als am Anfang.

Die ersten Monate oder Jahre sind voller neuer Eindrücke. Das neue Land, ein neuer Alltag, neue Menschen. Erst langfristig merkt man, was es bedeutet, bestimmte Menschen nicht mehr selbstverständlich um sich zu haben.

Gerade wenn Eltern älter werden oder Angehörige Unterstützung benötigen, kann diese Entfernung noch einmal eine ganz andere Bedeutung bekommen.

Wer über eine Auswanderung nach Uruguay nachdenkt, sollte sich deshalb nicht nur mit Aufenthaltsgenehmigung, Geld und Wohnort beschäftigen. Die Frage, welche Menschen man zurücklässt und wie man langfristig mit dieser Entfernung umgehen möchte, gehört für mich genauso zur Vorbereitung.

Deutsche Altstädte und dieses ganz bestimmte Gefühl

Etwas völlig anderes, das mir fehlt, sind deutsche Altstädte.

Das klingt zunächst vielleicht nebensächlich. Aber vieles, womit man aufgewachsen ist, nimmt man erst dann bewusst wahr, wenn es nicht mehr da ist.

Durch eine historische Altstadt laufen, Kopfsteinpflaster, alte Gebäude, eine kleine Fußgängerzone, irgendwo eine Eisdiele, vielleicht eine Burg oder ein Schloss – dieses typische Flair findet man in Uruguay kaum.

Viele uruguayische Städte sind nach einem ähnlichen Raster aufgebaut. Straßen verlaufen häufig rechtwinklig und im Zentrum befindet sich die Plaza.

Natürlich gibt es auch in Uruguay historische Architektur. Gerade Montevideo hat wunderschöne alte Gebäude und Colonia del Sacramento besitzt noch einmal einen ganz eigenen historischen Charakter.

Aber dieses typische mitteleuropäische Altstadtgefühl ist etwas anderes.

Und manchmal vermisse ich genau das: gar nicht unbedingt die Geschäfte, sondern einfach gemütlich durch eine schöne Altstadt zu laufen.

Freizeit in Uruguay: Es gibt weniger Auswahl

Ein weiterer Unterschied zwischen dem Leben in Deutschland und Uruguay sind die Freizeitmöglichkeiten.

Uruguay ist ein kleines Land. Entsprechend kann die Auswahl nicht mit einem Land wie Deutschland mithalten.

Natürlich gibt es Kinos, Theater, Veranstaltungen und andere Freizeitangebote. Vor allem rund um Montevideo und größere Städte findet man deutlich mehr.

Aber diese enorme Vielfalt, die man aus Deutschland kennt, gibt es nicht.

Mal in einen großen Zoo fahren, in ein Aquarium, einen Freizeitpark, eine Therme, auf eine Sommerrodelbahn oder spontan irgendeine besondere Veranstaltung besuchen – in Deutschland hat man häufig mehrere Möglichkeiten in erreichbarer Entfernung.

In Uruguay sieht Freizeit für mich heute anders aus.

Ich bin mehr draußen. Ich verbringe Zeit mit meinen Tieren, gehe in die Natur, fahre an einen Fluss oder ans Meer, lese oder genieße einfach die Ruhe.

Und genau diese Veränderung gefällt mir eigentlich sehr.

Trotzdem gibt es einzelne Wochenenden, an denen mir diese riesige Auswahl aus Deutschland fehlt. Nicht ständig. Aber manchmal wäre es schön, spontan aus zehn verschiedenen Dingen auswählen zu können.

Was mir im uruguayischen Winter besonders fehlt: Thermen

Besonders im Winter merke ich das beim Thema Wellness.

Deutschland hat unzählige Thermen, Hallenbäder, Saunalandschaften und Wellnessanlagen. Wenn draußen nasskaltes Wetter herrscht, kann man relativ spontan einen ganzen Tag dort verbringen.

Uruguay besitzt ebenfalls Thermalquellen. Die bekannten Thermalregionen befinden sich allerdings im Nordwesten des Landes.

Wenn man wie ich weiter südlich lebt, ist das kein spontaner Samstagsausflug.

Natürlich gibt es auch hier kleinere Wellnessangebote, Saunen oder Jacuzzis. Aber Größe, Auswahl und Verfügbarkeit sind nicht mit Deutschland vergleichbar.

Gerade an einem kalten uruguayischen Wintertag denke ich deshalb manchmal:

Jetzt einfach einen Tag in einer großen Therme verbringen – das wäre schön.

Uruguay hat wunderschöne Natur – aber viel davon ist privat

Das ist wahrscheinlich einer der Punkte, die viele Menschen vor ihrer Auswanderung überhaupt nicht erwarten.

Uruguay besitzt wunderschöne Natur.

Gerade rund um die Sierras und Flüsse findet man teilweise wilde, ursprüngliche Landschaften und einheimische Wälder.

Das Problem ist der Zugang.

Sehr große Teile des Landes befinden sich in Privatbesitz und sind eingezäunt. Man kann deshalb nicht einfach überall spazieren oder wandern.

Das unterscheidet sich stark von Deutschland.

Dort kann man vielerorts einfach in einen Wald fahren, einen Wanderweg auswählen und loslaufen. In Uruguay gibt es zwar ebenfalls zugängliche Wandergebiete und Cerros, aber teilweise muss man Eintritt bezahlen oder den Besuch vorher organisieren.

Diese Freiheit, einfach spontan loszulaufen, fehlt mir.

Ich merke das auch beim Ausreiten mit meinen Pferden.

Besonders schade finde ich daran, dass Uruguay wirklich wunderschöne ursprüngliche Landschaften besitzt. Vieles davon liegt aber auf privaten Campos und ist von außen kaum zugänglich.

Selbst an Flüssen erlebt man das teilweise: Der Fluss selbst ist zugänglich, aber am Ufer gibt es nur einen kleinen öffentlichen Bereich. Links beginnt ein Zaun, rechts der nächste.

Dadurch können gerade schöne Badestellen schnell voll werden.

Ja, manchmal vermisse ich tatsächlich Aldi und DM

Jetzt wird es wesentlich weniger tiefgründig.

Aber wenn ich ehrlich bin: Manchmal würde ich gerne einfach wieder durch einen Aldi oder DM laufen.

Nicht, weil ich ohne bestimmte deutsche Produkte nicht leben könnte.

Wenn mich jemand fragt, was er mir aus Deutschland mitbringen soll, muss ich meistens sogar erst einmal überlegen.

Mir fehlt eher dieses Gefühl der Auswahl.

Vor einem Regal stehen und zwischen unzähligen Produkten auswählen. Wochenangebote anschauen. Bei DM irgendwelche Lebensmittel oder Kosmetik entdecken. Dinge sehen, von denen man vorher überhaupt nicht wusste, dass man sie braucht.

Natürlich ist das Konsum.

Und eigentlich bin ich sogar froh, diesem extremen Konsum heute ein Stück weit entkommen zu sein.

Trotzdem bin ich damit aufgewachsen. Und deshalb gibt es diese Momente, in denen ich einfach Lust hätte, noch einmal durch einen deutschen Aldi oder DM zu laufen.

Restaurants und Lieferservices: In Uruguay hängt viel vom Wohnort ab

Ähnlich sieht es beim Essen aus.

Natürlich gibt es in Uruguay Restaurants und Lieferdienste. Gerade in Montevideo oder größeren Küstenorten ist die Auswahl auch erheblich größer.

Aber wer außerhalb dieser Gegenden lebt, merkt schnell einen Unterschied zu Deutschland.

Wenn ich spontan Lust auf indisches Essen, einen Döner oder irgendeine ganz bestimmte Pizza habe, kann es schlicht sein, dass es das in meiner Umgebung nicht gibt.

In Deutschland ist man daran gewöhnt, aus unzähligen Restaurants auswählen zu können. In Uruguay hängt diese Möglichkeit sehr stark vom Wohnort ab.

Auch Lieferdienste gibt es. Aber eben in einer wesentlich abgespeckteren Form.

Man gewöhnt sich daran und kocht möglicherweise automatisch mehr selbst. Trotzdem ist die geringere Auswahl eine dieser Kleinigkeiten, die mir hin und wieder auffallen.

Weniger Auswahl – und manche Dinge sind richtig teuer

Ähnlich verhält es sich bei vielen Produkten.

Das bedeutet nicht, dass man in Uruguay nur schlechte oder teure Waren bekommt. Überhaupt nicht.

Aber bei bestimmten Produkten gibt es weniger Auswahl. Importierte Waren können außerdem erheblich teurer sein.

In Deutschland ist man daran gewöhnt, etwas zu benötigen und es meistens innerhalb kurzer Zeit irgendwo zu bekommen – häufig in verschiedenen Qualitäten und Preisklassen.

In Uruguay kann die Situation anders aussehen.

Manchmal gibt es etwas Spezielles überhaupt nicht. Manchmal gibt es nur eine Variante. Und manchmal gibt es genau das gewünschte Produkt – aber zu einem Preis, bei dem man noch einmal darüber nachdenkt, ob man es wirklich braucht.

Auch das verändert den eigenen Konsum.

Und rückblickend sehe ich darin durchaus etwas Positives.

Was ich immer mehr vermisse: Weihnachten in Deutschland

Neben Familie und Freunden ist Weihnachten wahrscheinlich der emotionalste Punkt für mich.

Und interessanterweise wird dieses Gefühl mit den Jahren stärker.

Weihnachten findet in Uruguay mitten im Sommer statt.

Es ist warm. Man kann an den Strand gehen. Viele Menschen grillen. Es gibt Weihnachtsdekoration und künstliche Weihnachtsbäume, aber die gesamte Atmosphäre ist vollkommen anders.

Wir haben versucht, unsere eigenen Familientraditionen mit nach Uruguay zu nehmen.

Trotzdem fehlt das Umfeld.

Die Adventszeit. Weihnachtsmärkte. Adventskalender. Adventskranz. Plätzchen. Geschmückte Wohnsiedlungen. Kalte Luft. Und inzwischen würde ich sogar sagen: Schnee.

Dabei bin ich eigentlich überhaupt kein Wintermensch.

Aber wenn es schon kalt ist, denke ich mittlerweile manchmal: Dann könnte wenigstens Schnee liegen.

Weihnachten bei sommerlichen Temperaturen funktioniert für meinen Kopf auch nach mehreren Jahren noch nicht wirklich. Eine mit Lichterketten dekorierte Palme kann schön aussehen – sie löst in mir aber einfach nicht dasselbe Gefühl aus wie die Weihnachtszeit, mit der ich aufgewachsen bin.

Auch das war am Anfang weniger ausgeprägt.

Ein oder zwei Weihnachten anders zu feiern, ist spannend. Wenn man aber jahrelang keine deutsche Advents- und Weihnachtszeit mehr erlebt, merkt man irgendwann, wie tief solche Traditionen tatsächlich sitzen.

Vermisse ich deshalb mein Leben in Deutschland?

Nein.

Und genau das ist für mich die wichtigste Botschaft dieses Artikels.

Etwas aus Deutschland zu vermissen bedeutet nicht, dass ich meine Auswanderung nach Uruguay bereue.

Ich bin nach wie vor sehr glücklich hier.

Und bei einigen Dingen bin ich inzwischen sogar froh, dass sie weniger Teil meines Lebens sind.

Gerade dieser permanente Konsum und das Gefühl, ständig unterhalten werden zu müssen, spielen für mich heute eine viel kleinere Rolle.

Mein Alltag hat sich verändert.

Mehr Natur. Mehr Ruhe. Mehr Zeit mit Tieren. Weniger Konsum. Weniger Auswahl – aber vielleicht auch weniger Ablenkung.

Das bedeutet nicht, dass ich nie wieder durch einen DM laufen möchte oder mich nicht über einen Weihnachtsmarkt freuen würde.

Eine Auswanderung löscht schließlich nicht das Leben aus, das man vorher geführt hat.

Man nimmt seine Erinnerungen, seine Familie, seine Gewohnheiten und seine Traditionen mit.

Und manches davon vermisst man überraschenderweise nicht am Anfang, sondern erst nach mehreren Jahren im neuen Land.

Für mich gehört auch das zu einem ehrlichen Bild vom Leben in Uruguay.

Warum ich trotzdem gerne in Uruguay lebe

Dieser Artikel zeigt ganz bewusst die Dinge, die mir aus Deutschland fehlen. Das ist aber nur eine Seite meines Lebens hier. Denn gleichzeitig gibt es viele Gründe, warum ich auch nach über vier Jahren noch sehr gerne in Uruguay lebe und meine Entscheidung zur Auswanderung nicht bereue.

Wenn du auch die andere Seite kennenlernen möchtest, lies hier weiter: „9 Gründe, warum ich Uruguay liebe“. Dort erzähle ich dir, welche Dinge ich an meinem Leben hier besonders schätze und warum Uruguay für mich bis heute der richtige Lebensmittelpunkt ist.

Du möchtest selbst nach Uruguay auswandern?

Eine Auswanderung nach Uruguay besteht nicht nur aus der Entscheidung für ein neues Land. Gerade bei der Aufenthaltsgenehmigung kommt es darauf an, Dokumente, Termine und einzelne Schritte von Anfang an richtig zu planen und in der richtigen Reihenfolge umzusetzen.

Genau dabei unterstütze ich dich.

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Häufige Fragen zum Leben in Uruguay

Was vermisst man nach dem Auswandern nach Uruguay am meisten?

Für mich sind Familie und Freunde der mit Abstand wichtigste Punkt. Materielle Dinge lassen sich ersetzen oder verlieren mit der Zeit an Bedeutung. Die persönliche Nähe zu Menschen dagegen nicht.

Hat man nach dem Auswandern nach Uruguay Heimweh?

Das ist individuell. Bei mir ist es weniger ein klassisches Heimweh nach Deutschland. Ich vermisse bestimmte Menschen, Traditionen und Situationen, möchte aber trotzdem weiterhin in Uruguay leben.

Was fehlt Deutschen beim Leben in Uruguay?

Das hängt vom eigenen Lebensstil ab. Mir fehlen manchmal die größere Auswahl an Restaurants und Geschäften, bestimmte Freizeitmöglichkeiten, Thermen, frei zugängliche Wandergebiete sowie deutsche Traditionen. Der größte Unterschied bleibt für mich jedoch die Entfernung zu Familie und Freunden.

Vermisst man Deutschland, wenn man in Uruguay lebt?

Das kann durchaus passieren, ohne dass man zurück nach Deutschland möchte. Genau so geht es mir. Ich vermisse einzelne Dinge aus meinem früheren Leben, bin aber gleichzeitig sehr glücklich mit meinem heutigen Leben in Uruguay.

Wie feiert man Weihnachten in Uruguay?

Weihnachten fällt in Uruguay in den Sommer. Entsprechend unterscheidet sich die Atmosphäre stark von Deutschland. Für mich fehlen vor allem Adventszeit, Weihnachtsmärkte, Kälte und die gewohnte Weihnachtsstimmung.


ÜBER MICH

Autor

Cynthia Stolz - Gründerin von EASY AUSWANDERN

Worauf es für mich beim Auswandern ankommt: Eine realistische und strukturierte Umsetzung.
Den Prozess kenne ich aus eigener, umfangreicher Erfahrung.

Seit 4 Jahren lebe ich selbst in Uruguay, seit 3 Jahren begleite ich Menschen auf dem Weg zu Ihrer dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung.

Die Idee hinter EASY AUSWANDERN: Anderen Menschen das Auswandern so einfach wie möglich zu machen - durch einen ganzheitlichen Ansatz und klare Struktur.

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